Gesundheitssystem auf Mallorca: Der vollständige Leitfaden für deutsche Expats 2026
Eine der wichtigsten Fragen bei einem Umzug nach Mallorca betrifft die medizinische Versorgung: Wie funktioniert das spanische Gesundheitssystem? Brauche ich eine private Krankenversicherung? Kann ich meine deutsche Versicherung behalten? Dieser Leitfaden beantwortet alle relevanten Fragen für deutsche Staatsbürger, die dauerhaft oder teilweise auf Mallorca leben möchten — mit konkreten Kosten, Klinik-Empfehlungen und dem genauen Anmeldeprozess.
Das spanische Gesundheitssystem im Überblick
Spanien verfügt über ein universelles, öffentlich finanziertes Gesundheitssystem, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) regelmäßig unter den besten weltweit eingestuft wird. Das System wird über Steuern und Sozialversicherungsbeiträge finanziert und bietet allen registrierten Einwohnern — einschließlich EU-Bürgern mit Wohnsitz in Spanien — eine kostenfreie oder stark subventionierte medizinische Versorgung.
Auf den Balearen wird das öffentliche Gesundheitssystem vom IB-Salut (Servei de Salut de les Illes Balears) verwaltet. Es umfasst Gesundheitszentren (centros de salud), öffentliche Krankenhäuser, Notaufnahmen und spezialisierte medizinische Dienste. Die Qualität der öffentlichen Versorgung auf Mallorca ist generell gut — allerdings sind die Wartezeiten für Facharzttermine und nicht-dringende Eingriffe oft erheblich.
Parallel dazu existiert ein gut ausgebauter privater Gesundheitssektor mit modernen Kliniken, kurzen Wartezeiten und oft mehrsprachigem Personal. Etwa 30 % der Bevölkerung auf den Balearen verfügen über eine private Krankenversicherung — ein deutlich höherer Anteil als im spanischen Durchschnitt.
Zugang zum öffentlichen System (IB-Salut)
Als EU-Bürger haben Sie grundsätzlich Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem auf Mallorca. Der genaue Weg hängt von Ihrer Situation ab:
Szenario 1: Sie arbeiten in Spanien
Wenn Sie in Spanien angestellt oder selbstständig sind und Sozialversicherungsbeiträge zahlen, haben Sie automatisch Anspruch auf die volle öffentliche Gesundheitsversorgung. Ihr Arbeitgeber meldet Sie beim Instituto Nacional de la Seguridad Social (INSS) an, und Sie erhalten eine Tarjeta Sanitaria Individual (TSI) — Ihre Gesundheitskarte für das öffentliche System.
Szenario 2: Sie sind Rentner
Deutsche Rentner, die ihren Wohnsitz nach Mallorca verlegen, können das S1-Formular (ehemals E121) bei ihrer deutschen Krankenkasse beantragen. Dieses Formular bestätigt, dass Sie in Deutschland versichert bleiben, und berechtigt Sie zur vollen Nutzung des spanischen öffentlichen Gesundheitssystems auf Kosten der deutschen Kasse. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Szenario 3: Sie sind weder erwerbstätig noch Rentner
EU-Bürger, die in Spanien weder arbeiten noch Rente beziehen — beispielsweise Frührentner, Privatiers oder Personen, die von Ersparnissen leben — haben nicht automatisch Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem. Sie müssen entweder freiwillig in das spanische System eintreten (Convenio Especial, ca. 60 Euro/Monat für unter 65-Jährige, ca. 157 Euro/Monat ab 65) oder eine private Krankenversicherung abschließen.
EHIC und S1-Formular: Was deutsche Versicherte wissen müssen
Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC)
Die EHIC (auf Deutsch: Europäische Krankenversicherungskarte, auf Ihrer deutschen Versichertenkarte abgedruckt) deckt medizinisch notwendige Behandlungen während eines vorübergehenden Aufenthalts in Spanien ab — also im Urlaub oder bei Kurzaufenthalten. Sie ist keine Lösung für Expats, die dauerhaft auf Mallorca leben.
Wichtig: Die EHIC deckt nur öffentliche Leistungen ab und oft nur zu den spanischen Konditionen. Zuzahlungen für Medikamente und bestimmte Behandlungen sind möglich. Private Kliniken akzeptieren die EHIC in der Regel nicht.
S1-Formular für Rentner
Das S1-Formular ist das wichtigste Dokument für deutsche Rentner auf Mallorca. Es wird bei der deutschen Krankenkasse beantragt und bestätigt, dass die Kosten für die medizinische Versorgung in Spanien von Deutschland übernommen werden. Mit dem S1 erhalten Sie Zugang zum vollständigen öffentlichen Gesundheitssystem auf Mallorca — einschließlich Facharztbehandlung, Krankenhausaufenthalte und Medikamente.
Ablauf: S1 bei der deutschen Kasse beantragen → per Post erhalten → beim INSS auf Mallorca vorlegen → TSI-Karte erhalten → im centro de salud Ihres Wohngebiets registrieren.
Private Krankenversicherung auf Mallorca
Trotz des guten öffentlichen Systems entscheiden sich viele deutsche Expats auf Mallorca für eine private Krankenversicherung — aus folgenden Gründen:
- Wartezeiten: Im öffentlichen System kann ein Facharzttermin 2–6 Monate dauern, ein nicht-dringender chirurgischer Eingriff 6–12 Monate. Privat erhalten Sie innerhalb von Tagen einen Termin.
- Sprachwahl: In privaten Kliniken finden Sie häufiger deutsch- oder englischsprachiges Personal.
- Einzelzimmer: In öffentlichen Krankenhäusern teilen Sie sich in der Regel ein Zimmer. Privat haben Sie ein Einzelzimmer mit Komfort.
- Flexibilität: Freie Arztwahl ohne Überweisung, Zugang zu spezialisierten Zentren.
Anbieter und Kosten
Die wichtigsten privaten Krankenversicherungen in Spanien sind:
| Versicherer | Monatsbeitrag (ca.) | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Sanitas | 60–150 € | Größtes Netzwerk auf den Balearen, eigene Kliniken |
| Adeslas | 55–140 € | Breites Netzwerk, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| ASISA | 50–120 € | Gute Abdeckung auf den Balearen, niedrigere Beiträge |
| DKV | 70–180 € | Deutscher Mutterkonzern (ERGO), international orientiert |
| Internationale Policen (BUPA, Allianz Care) | 200–500 € | Weltweite Abdeckung, ideal für Personen mit mehreren Wohnsitzen |
Hinweis: Die Beiträge hängen stark vom Alter, Vorerkrankungen und dem gewählten Deckungsumfang ab. Ein gesunder 40-Jähriger zahlt bei Sanitas oder Adeslas etwa 70–90 Euro/Monat. Ab 65 Jahren steigen die Beiträge deutlich, und einige Versicherer lehnen Neuaufnahmen ab 70 ab. Schließen Sie eine private Versicherung idealerweise vor Ihrem 60. Geburtstag ab.
Top-Kliniken und Krankenhäuser auf Mallorca
Öffentliche Krankenhäuser
- Hospital Universitari Son Espases: Das größte und modernste öffentliche Krankenhaus der Balearen, im Westen von Palma. Umfassende Fachabteilungen, Notaufnahme, Intensivmedizin. Referenzkrankenhaus für komplexe Fälle.
- Hospital de Manacor: Regionales Krankenhaus für den Osten Mallorcas. Grundversorgung und Notaufnahme.
- Hospital Comarcal d'Inca: Regionales Krankenhaus für das Zentrum und den Norden der Insel.
Private Kliniken
- Clínica Rotger (Quirónsalud): Eine der renommiertesten Privatkliniken Mallorcas, zentral in Palma gelegen. Teil der Quirónsalud-Gruppe (Europas größter privater Krankenhausbetreiber). Breites Spektrum an Fachrichtungen, modernstes Equipment, mehrsprachiges Personal. Viele deutsche Ärzte und Patienten.
- Hospital Quirónsalud Palmaplanas: Großes privates Krankenhaus im Westen von Palma (ehemals USP Palmaplanas). Besonders stark in Orthopädie, Kardiologie und Onkologie. Eigene Notaufnahme rund um die Uhr.
- Clínica Juaneda: Traditionsreiche Privatklinik in Palma mit über 100 Jahren Geschichte. Guter Ruf in der Chirurgie und Frauenheilkunde. Teil der Juaneda-Gruppe, die auch Kliniken in Manacor und Inca betreibt.
- Hospital Juaneda Muro: Private Klinik im Norden Mallorcas — relevant für Expats in Pollença, Alcúdia und Umgebung, die nicht für jeden Arztbesuch nach Palma fahren möchten.
- Clínica Picasso: Spezialklinik in Palma mit Fokus auf Zahnmedizin und ästhetische Medizin. Deutschsprachiges Team.
Fachärzte und deutschsprachige Ärzte
Einer der großen Vorteile Mallorcas für deutsche Expats ist die Verfügbarkeit deutschsprachiger Ärzte. Aufgrund der seit Jahrzehnten bestehenden deutschen Gemeinschaft auf der Insel haben sich zahlreiche deutsche und österreichische Ärzte auf Mallorca niedergelassen. Sie finden deutschsprachige Mediziner in nahezu allen Fachrichtungen:
- Allgemeinmedizin und Innere Medizin
- Orthopädie und Sportmedizin
- Dermatologie
- Gynäkologie und Geburtshilfe
- Zahnmedizin
- Augenheilkunde
- Kardiologie
- Kinder- und Jugendmedizin
Die meisten deutschsprachigen Ärzte praktizieren privat oder in den oben genannten Privatkliniken. Die Konzentration ist in Palma und im Calvià-Gebiet (Santa Ponsa, Palmanova) am höchsten. In ländlicheren Gemeinden oder im Norden der Insel sind deutschsprachige Ärzte seltener — hier sollten Sie zumindest über Spanisch- oder Englischkenntnisse verfügen.
Notfallversorgung
Im Notfall wählen Sie die europäische Notrufnummer 112. Die Disponenten sprechen in der Regel Spanisch und Englisch — auf Deutsch ist die Verständigung nicht garantiert. Alternativ können Sie die Nummer 061 (Notruf des balearischen Gesundheitsdienstes) anrufen.
Die Notaufnahme (urgencias) des nächsten öffentlichen Krankenhauses behandelt Sie unabhängig von Ihrem Versicherungsstatus — die Kosten werden später geklärt. Private Kliniken wie Clínica Rotger und Hospital Quirónsalud Palmaplanas haben ebenfalls 24-Stunden-Notaufnahmen, die jedoch nur Privatversicherte oder Selbstzahler aufnehmen.
Tipp: Speichern Sie die Nummer Ihrer Versicherung, Ihre Policennummer und die Adresse der nächsten privaten und öffentlichen Notaufnahme in Ihrem Telefon. Im Ernstfall zählt jede Minute.
Anmeldeprozess Schritt für Schritt
Um sich im spanischen Gesundheitssystem zu registrieren, gehen Sie wie folgt vor:
1. Wohnsitz anmelden (Empadronamiento)
Melden Sie Ihren Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt (ayuntamiento) Ihrer Gemeinde an. Sie erhalten ein certificado de empadronamiento, das Sie für alle weiteren Behördengänge benötigen.
2. NIE-Nummer beantragen
Falls noch nicht geschehen, beantragen Sie Ihre NIE-Nummer. Diese ist für die Registrierung im Gesundheitssystem erforderlich.
3. Beim INSS registrieren
Gehen Sie zum Instituto Nacional de la Seguridad Social (INSS) in Palma oder Ihrer Region. Bringen Sie mit: Reisepass, NIE, Empadronamiento, S1-Formular (Rentner) oder Arbeitsvertrag (Erwerbstätige). Sie erhalten eine número de afiliación (Sozialversicherungsnummer).
4. Gesundheitskarte beantragen
Mit der Sozialversicherungsnummer beantragen Sie die Tarjeta Sanitaria Individual (TSI) bei Ihrem zugewiesenen Gesundheitszentrum (centro de salud). Die Zuweisung erfolgt nach Wohnort. Die Karte wird per Post zugesandt (2–4 Wochen), Sie erhalten aber eine vorläufige Bestätigung.
5. Hausarzt zugewiesen bekommen
Im öffentlichen System wird Ihnen ein Hausarzt (médico de cabecera) in Ihrem Gesundheitszentrum zugewiesen. Dieser ist Ihre erste Anlaufstelle für alle nicht-dringenden Anliegen und überweist Sie bei Bedarf an Fachärzte.
Kostenvergleich: Öffentlich vs. Privat
| Leistung | Öffentlich (IB-Salut) | Privat (Versicherung) | Privat (Selbstzahler) |
|---|---|---|---|
| Arztbesuch (Hausarzt) | Kostenlos | Kostenlos (je nach Tarif) | 50–100 € |
| Facharzttermin | Kostenlos (Wartezeit 1–6 Mon.) | 0–30 € Zuzahlung | 80–200 € |
| Krankenhausaufenthalt (1 Tag) | Kostenlos | Kostenlos | 500–1.500 € |
| MRT-Untersuchung | Kostenlos (Wartezeit 2–8 Wo.) | 0–50 € Zuzahlung | 200–400 € |
| Medikamente (Rezeptpflichtig) | 0–40 % Zuzahlung | Je nach Tarif | Voller Preis |
| Zahnbehandlung | Nur Notfälle | 50–100 % gedeckt | 60–500 € je Behandlung |
| Monatliche Kosten | 0–60 € (Convenio) | 60–180 € | Variabel |
Praktische Tipps für deutsche Expats
1. Doppelstrategie empfohlen
Die meisten gut beratenen deutschen Expats nutzen eine Kombination: Registrierung im öffentlichen System und eine private Zusatzversicherung. Das öffentliche System deckt die Grundversorgung und teure Notfälle ab, die private Versicherung bietet schnellen Zugang zu Fachärzten und komfortablere Bedingungen.
2. Apotheken (Farmacias) nutzen
Spanische Apotheker dürfen deutlich mehr Medikamente ohne Rezept abgeben als in Deutschland. Für viele Standardmedikamente (Antibiotika ausgenommen) genügt ein Gespräch mit dem Apotheker. Die Beratungsqualität ist in der Regel hoch. Apotheken sind am grünen Kreuz erkennbar und in jeder Gemeinde vorhanden — auch nachts gibt es immer eine diensthabende Apotheke (farmacia de guardia).
3. Medikamentenversorgung planen
Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, bringen Sie beim Umzug einen ausreichenden Vorrat mit und lassen Sie sich von Ihrem deutschen Arzt einen internationalen Medikamentenpass ausstellen. Der spanische Hausarzt kann die Verschreibung in der Regel übernehmen, benötigt aber eine Diagnose und den Wirkstoffnamen (internationale Bezeichnung, nicht den deutschen Markennamen).
4. Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen
Das spanische System bietet ein umfassendes Vorsorgeprogramm, das dem deutschen in den meisten Punkten ähnelt. Informieren Sie sich bei Ihrem Gesundheitszentrum über die verfügbaren revisiones (Vorsorgeuntersuchungen), insbesondere für Krebsvorsorge, Herz-Kreislauf-Checks und Impfungen.
Fazit
Die medizinische Versorgung auf Mallorca ist exzellent — sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor. Deutsche Expats profitieren von der EU-Freizügigkeit, der Verfügbarkeit deutschsprachiger Ärzte und einem gut ausgebauten Netzwerk privater Kliniken. Die größte Hürde ist nicht die Qualität, sondern die Bürokratie: Die Registrierung im öffentlichen System erfordert Geduld und mehrere Behördengänge.
Unsere Empfehlung: Registrieren Sie sich im öffentlichen System (über S1 als Rentner oder über die Sozialversicherung als Erwerbstätiger) und schließen Sie ergänzend eine private Krankenversicherung bei einem spanischen Anbieter ab. Bei Gesamtkosten von 60–150 Euro pro Monat erhalten Sie damit ein Versorgungsniveau, das dem deutschen System ebenbürtig ist — mit dem Vorteil von Sonne, Meer und 300 Sonnentagen im Jahr.
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